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MEDIZINISCHE PROBLEME BEIM RADFAHREN
Unterarm- und Handprobleme:
Die Unterarm-Muskulatur wird durch Halten des Lenkers stark
beansprucht. Daher sollte der Griff am Lenker bewußt öfters
stark gelockert werden.
Eine unangenehme Folge kann sonst bei Bikern ein "Tennisarm"
sein, und zwar dann, wenn der Zug der Unterarm-Sehnen am Ellenbogengelenk
ständig zu stark ist. Oft entstehen Druckläsionen von Nerven
im Handgelenksbereich, wenn man sich hier am Lenker aufstützt.
Treten gefühllose Finger auf, deutet das bereits auf Druckschäden
hin. Vorsorglich Griff am Lenker öfters variieren und nicht
zu stark an einzelnen Stellen des Handgelenks abstützen.
Während der Fahrt öfters Hände vom Lenker nehmen und locker
bewegen. So können auch häufig vorkommende Druckläsionen von
Nerven im Handbereich, die von gefühllosen Fingern bis zu
Lähmungen reichen können, vermieden werden. Es handelt sich
hierbei um eine Abquetschung der im Tunnel an der Handwurzel
befindlichen Nerven. Eventuell bringt beim Mountain- Bike
ein speziell geformter Griff etwas, bei dem der Lenker formschlüssig
in der Hand liegt ("Biogrip").
Triathleten und Duathleten haben zusätzlich den Vorteil der
Druckentlastung und Griffvariationen durch die Ellenbogenauflage
im Aerolenker.
Stürze:
Die Handgelenke sind bei Stürzen neben den Armen stark gefährdet,
weil der Biker sich im Reflex fast immer mit den Händen bei
einem Sturz auffängt. Schlüsselbein- und Armbrüche sind nicht
selten. Bei seitlichem Wegrutschen ist es mehr als ratsam
die Hände am Lenker zu lassen. Lenkerende, Pedal und Räder
nehmen dann einen Großteil der Geschwindigkeits-Energie beim
Aufprall weg, und es bleibt mit ein wenig Glück - von Oberschenkel-
und Ellenbogenschürfungen abgesehen - eher bei Bike- und Kleidungsschäden.
Erkältungen:
Gegen unangenehme Witterung vorbeugen!! Abhärtungsmaßnahmen
einsetzen: Täglich kalte Abwaschungen. Wechselduschen, die
immer mit einem kalten Guß enden, kalte Dusche nach dem Training.
Sauna ist empfehlenswert. Witterungsangepasste Funktionskleidung
! Im Winter mit warmer Kleidung den Hals- und Kopfbereich
gut schützen. Abwechslungsreiche Kost mit viel Obst und Gemüse
stellt ausreichende Vitaminversorgung sicher.
Muskelkrämpfe:
Sie können verschiedene
Ursachen haben. Am häufigsten treten sie in der Wadenmuskulatur
auf. Die Hauptursache ist meistens Mineralstoffmangel, vor
allem an Kalium und Magnesium. Dieser Mangel tritt nach großen
Schweißverlusten auf, vor allem wenn man die Grundprinzipien
der gesunden Ernährung nicht ausreichend beachtet hat. Weitere
Ursachen können zu große oder zu kleine Gänge sein. Das muß
jeder individuell herausfinden. Schließlich muß auch die Sitz-
Position stimmen.
Vorbeugung: Am besten 1-2 h vor dem Training vorbeugend Mineralientablette
nehmen. Unterwegs für Nachschub per Wasserflasche sorgen.
Nackenschmerzen:
Verspannungen der Nackenmuskulatur entstehen meist durch falsche,
verkrampfte oder zu weit vorn übergebeugte Haltung auf dem
Bike. Nackenschmerzen sind gefürchtet, weil sie das Radfahren
zur Qual machen. Durch die Position am Rad wird die natürliche
Überstreckung der Halswirbelsäule noch verstärkt. Die Sitzposition
muß stimmen. Die Lenkerhöhe sollte nur so weit unter Sattelhöhe
sein, wie es Trainingszustand und Körperbau zulassen. Ist
der Vorbau zu lang oder die Lenker- Satteldifferenz zu groß,
muß der Hals noch weiter überstreckt werden, um die Straße
überblicken zu können. Schmerzen sind dann in der Regel muskulären
Ursprungs.
Gerade zu Beginn des Radtrainings und bei Anfängern verkrampfen
sich die Nackenmuskeln (Trapezmuskel, kleine Nackenmuskeln
) aufgrund des schlechten Trainingszustandes und rufen Schmerzen
hervor, die jedoch nach einigen Wochen Training nicht mehr
auftreten. Die Arbeitsweise dieser den durchschnittlich 7kp
schweren Kopf haltenden Muskeln ist vorwiegend isometrisch.
Hierdurch werden die Blutgefäße abgedrückt, wodurch die Blutversorgung
abnimmt. Folge hiervon ist ein krampfähnlicher, mit Schmerzen
verbundener Zustand.
Abhilfe und Behandlung: Lockerer Fahrstil! Obere Lenkerhaltung
beim Rennrad bevorzugen. Beim Mountain- Bike eventuell steileren
Vorbau montieren. Öfters aufrichten , ab und zu im Wiegetritt
fahren, sowie den Schultergürtel und die Nackengegend lockern.
Zur Vorbeugung und Verbesserung der Beschwerden sollte unbedingt
jeden Morgen regelmäßig ein Wirbelsäulen oder Nacken- Stretching
durchgeführt werden. Leichter Helm! Schild am Helm entfernen!
Rollkragen - Unterziehpullover mit hohem Kragen gegen Fahrtwind.
Ellenbogen stets leicht beugen und niemals durchdrücken, um
Straßenunebenheiten aufzufangen.
Kopfschmerzen:
Durch eine verspannte Nackenmuskulatur können auch Kopfschmerzen
ausgelöst werden. Typisch sind jedoch auch Kopfschmerzen,
die durch Unterkühlung der Kopfhaut durch den Fahrtwind bedingt
sind. Vor allem bei Abfahrten mit schweißnasser Kopfhaut kommt
es zu derartigen Unterkühlungen, daß es tatsächlich zu starken
Koppfschmerzen kommen kann. Abhilfe schafft hier eine Mütze
oder Kappe.
Knieprobleme:
Beim Radfahren werden die Knie geschont. Es kann jedoch zu
Überlastungsbeschwerden im Bereich der Kniescheibe kommen,
meist am unteren Rand der Kniescheibe. Wir unterscheiden Schmerzen
in Folge zu hoher Kraftbelastung und durch Unterkühlung infolge
Fahrtwind. Behandlung bei Überlastung: kleine Gänge benutzen,
rechtzeitig im Stehen am Berg fahren, Sitzposition prüfen.
Behandlung bei Unterkühlung:
ABC-Pflaster. Warm kleiden. Knie müssen die
größten Zug- und Druckkräfte tolerieren und sind zudem dem
Fahrtwind ausgesetzt.
Dennoch gibt es beim Radfahren im Vergleich
zum Laufen recht wenig Probleme. Kniegelenke brauchen nicht-
wie beim Laufen - Stöße abzufangen und werden auch nicht Verdrehungen
und Prellungen ausgesetzt wie bei anderen Sportarten.
Die größte Gefahr sind immer noch Stürze auf das Knie. Es
kann zu tiefen Riß-Quetschwunden über der Kniescheibe kommen,
bei denen der Schleimbeutel verletzt werden kann. Diese Verletzung
stellt sich oft als langwierig heraus und sollte ärztlich
behandelt werden. Ober- und Unterschenkelbrüche sind selten
und dank der Klickpedale jetzt noch weiter zurückgegangen.
Das Kniegelenk ist kein einfaches Scharniergelenk , etwa wie
bei einer Autotür, sondern ein Drehscharniergelenk. Es ermöglicht
neben der Streckung und Beugung zusätzlich eine Drehung des
Unterschenkels, die jedoch nur in Beugestellung möglich ist.
Oberschenkelknochenende, Schienbeinkopf und Kniescheibenrückseite
bilden die Gelenkflächen des Knies, welche mit einer bläulich-
weißlich schimmernden Schicht Knorpels überzogen sind. Da
die Knorpelflächen nicht genau aufeinander passen, hat sich
die Natur etwas besonderes ausgedacht, um die Gelenkflächen
anzupassen: die Menisken.
Der Meniskus ist ein halbmond-förmiges Knorpelstück, das im
Knie die beiden gewölbten Gelenkflächen einander anpasst.
(2 Menisken pro Knie). Die Muskeln tragen zu einer Stabilisierung
bei: Je besser trainiert, desto besserer Schutz vor Verletzungen.
Die Kniescheibe (Patella) ist in die Sehne des vierköpfigen
Schenkelmuskels (Quadrizeps) eingebettet und bewegt sich auf
einer Führungsrinne des Oberschenkelknochens. Beide Gelenkflächen
sind normalerweise ausreichend mit Knorpel bedeckt. Die Patella
dient als "Umlenkrolle" für die Sehne des Quadrizeps und verstärkt
wie ein Hebel dessen Kraft.
Wird die Streckmuskulatur angespannt und das Bein gestreckt,
gleitet die Patella auf der Führungsrinne des Oberschenkel-
Knochens. Ist hierbei der Druck längere Zeit hoch und ungleich
verteilt, ändert der Knorpel seine Struktur und eine Entzündung
entsteht (dabei ist der Knorpel selbst schmerzunempfindlich).
Sehnen, Muskeln und Haut, die über Knochenvorsprünge verläuft,
ist von Schleimbeuteln umlagert, um die empfindliche Struktur
der Gewebe zu schützen. Diese sind kälteempfindlich und daher
leicht zu entzünden. Das Kniegelenk wird von einer zweischichtigen
Kapsel umgeben (einer äußeren Kapsel, die es stützt und einer
inneren Kapsel mit Gelenkschmiere).
Krankheitsbilder:
Chondropathia patellae (Knorpelveränderung
der Kniescheibe). Knorpelerweichung, verbunden mit einer
Mikrostruktur- Veränderung gekoppelt an eine Unterversorgung
mit Nährstoffen am Knorpel.
Folgen: Belastungsschmerzen, Knirschen. Wird gefördert durch
Kälte, Fehleinstellung des Rads. Bereits ein geringfügig höher
gestellter Sattel kann Abhilfe schaffen. Auch eine Disbalance
der zwei Köpfe des Quadrizeps kann die Ursache sein, da sich
der äußere Kopf stärker entwickelt (krankengymnastiche Behandlung
nötig).
Tendopathien:Es handelt sich um Entzündungen von Sehnen,
deren Ansätzen sowie deren Übergängen an den Knochen.
Entstehungsgründe
sind wiederum Kälte und zu hohe Lasten. Abhilfe: Muskeln und
Sehnen durch häufiges Stretchen geschmeidig halten. Pedalplättchen
sauber einstellen.
Bursitis: Schleimbeutelentzündung , vor allem durch
Kälte. Der Schleimbeutel vor der Kniescheibe ist davon am
häufigsten betroffen. Er schwillt und schmerzt bei jedem Tritt.
Wichtige Regeln: leichte Gänge treten. Warmhalten, bei Kälte
nicht mit kurzer Hose fahren. Richtige Sitzposition. Korrekt
eingestellte Schuhplättchen. Keine verbogenen Lager, Wellen
und Kurbeln.
Rückenschmerzen:
Schmerzen im unteren Rücken oder Kreuzbeinbereich: Hier handelt
es sich meist um Muskelverspannungen, Verschiebungen der kleinen
Wirbelgelenke oder um Überbeanspruchung der Kreuzbeingelenke.
Ursache ist oft eine zu schwache Ausbildung der unteren Rückenmuskeln.
Diese können durch Kraft- und Gymnastik-Übungen gestärkt werden.
Auch Unterkühlungen können Ursache von Knochenhautreizungen
sein. Behandlung: regelmäßige Wirbelsäulengymnastik. Yoga-
Übungen. Locker fahren. Die obere Lenkergriffhaltung bevorzugen.
Öfters im Stehen oder Wiegetritt fahren. Bei Unterkühlungsschäden
örtliche Wärme-Anwendungen, Einreibungen, Bäder. Gegebenenfalls
Rheuma- Pflaster tragen.
Einseitige Fleischkost meiden, sich mehr auf lakto- vegetarische
Ernährung verlegen.
Prostata:
Wohl jeder männliche Radfahrer kennt nach langen Touren die
Probleme mit seinen Geschlechtsteilen. Durch den hohen Druck
in Verbindung mit zahlreichen Stößen von der Straße kann es
infolge eines Anschwellens der Prostata, einer Druckläsion
der Harnröhre und / oder einer Nerveneinklemmung zu einem
Taubheitsgefühl im Penis, Schmerzen beim Wasserlassen. eventuell
Blut im Urin oder sogar zeitlich begrenzter Impotenz kommen.
Die hartnäckigsten Sympthome verschwinden nach einer Zwangspause
von einigen Tagen. Abhilfe: Anatomisch geformter Sattel (ev.
Damensattel), nach vorne ev. neigen. Es sind im Handel Sättel
mit einer Gel- Einlage erhältlich. Breitere, gut federnde
Reifen, höhergestellter Lenker. Regelmäßig aus dem Sattel
gehen. Biken kann unter Umständen zu einer zeitlich begrenzten
Impotenz führen, wenn ungünstige Umstände zusammentreffen.
Regelmäßiges und dosiertes Radfahren soll sich jedoch günstig
auf das Sexualleben auswirken.
Auf alle Fälle kommt es bei jedem extremen Ausdauersport zu
einem Abfall des männlichen Hormons Testosteron.
Sitzbeschwerden:
Sitzbeschwerden durch Druckpunkte
oder Reibung verschwinden meist mit zunehmender Anpassung
von selbst. Bei längeren Strecken ist große Hygiene nötig,
da sich sonst Wundsein, Entzündung der Haarbälge (Furunkel)
oder Entzündungen einstellen können.
Behandlung: Radhose mit Einsatz, Camillecreme oder spezielle
Sitzcreme.
Fuß:
Im Bereich des Fußes stehen Entzündungen der Achillessehne
im Vordergrund.
Die Achillessehne verbindet den Wadenmuskel mit dem Fersenbein.
Durch die exponierte Lage ist sie Kälte ausgesetzt. Hier führen
Kälte (fehlende Überschuhe), falsche Sitzposition und Überlastung
(zu große Gänge) oftmals zu einer Reizung, aus der sich eine
Entzündung entwickeln kann Therapie: Änderung der oben genannten
Faktoren sowie eine physikalische Therapie. Die Sehne des
vorderen Schienbeinmuskels kann ähnliche Probleme bereiten,
vor allem bei kalten Regenrennen. Therapie wie oben. Brennende
Fußsohlen können mehrere Ursachen haben: zu fest angezogene
Klettverschlüsse oder Schnürsenkel, sehr harte Innensohle,
keine anatomische Sohlenformung |
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