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TECHNIK
Der "Double Push"
Der Begriff "Double Push" hat
sich in den letzten Jahren für eine Technik durchgesetzt,
mit der der Amerikaner Chad Hedrick erstmals 1993 bei den
Nordamerikanischen Juniorenmeisterschaften dominierte. Ob
er diese Technik in der elterlichen Rollschuhhalle selbst
erfunden hat, oder ob sie schon länger, z.B. von Holländern
im Regen, gefahren wurde, soll offen bleiben. Jedoch erst
seine Erfolge machten die Technik populär. Bei den Weltmeisterschaften
1994 in Frankreich deklassierte Hedrick die anderen Athleten
derartig, daß viele Trainer und Fahrer ihre Technik umstellten.
Schon 1995 bei den Pan American Games in Argentinien hatten
viele Skater die Technik adaptiert. Die Technik wird zu diesem
Zeitpunkt "The Chad" genannt. Heute haben fast alle Weltklasse-Skater
ihre Technik auf den Double Push umgestellt, dennoch ist Hedrick
immer noch der dominierende Fahrer. Der kanadische Trainer
und Skater Barry Publow (1999) widmete sich schon sehr früh
der neuen Technik und entwickelte neben einer guten Technikbeschreibung
auch eine methodische Reihe zum Erlernen des "Double Push".
Als Grundlage der folgenden Analyse dient daher sein Buch
"Speed on Skates" und "Richtig Fitness-Skating" von Hoos und
Baumgartner (2000).
Phase 1:
KSP:
Der KSP "fällt" vom Stütz über dem linken Bein entgegen dem
Abdruck nach rechts. Er entfernt sich von der linken Stützfläche
über die neu entstehende rechte Stützfläche.
Linkes Bein:
Wie in der klassischen Technik siehe Fitness-Skaten.
Rechtes Bein:
Der Unterschenkel des rechten Beines ist senkrecht zum Boden.
Der Skate schwebt dicht über dem Boden. Durch eine Abduktion
des Hüftgelenkes während des "Falls" bleibt der Skate unter
der rechten Schulter.
Der Skate wird unter dieser Schulter auf der Spitze der Rollen,
also plan, aufgesetzt. Der Skate weist leicht nach innen.
Das linke Bein hat in diesem Moment schon ca. 90% seines Weges
zurückgelegt.
Funktion: Der seitliche Aufsatz des
Beines bildet eine neue Stützfläche und ermöglicht einen zweiten
Abdruck, bzw. bereitet diesen vor.
Phase 2:
KSP:
Der KSP wandert weiter zur rechten Seite. Er wird dabei aktiv
zur Seite oder nach oben gestreckt. Dabei überquert er die
neue Standfläche des rechten Beines. Es kommt zu einem zweiten,
aktiven "Fall".
Linkes Bein:
Das linke Bein drückt sich auf der Innenseite der Rollen wie
in der klassischen Technik ab. Mit dem zweiten "Fall" wird
das Bein wie in der klassischen Technik zurückgeführt.
Rechtes
Bein:
Der Skate bewegt sich auf der Außenkante der Rollen nach innen,
also in dieselbe Abdruckrichtung wie das linke Bein. In Abhängigkeit
davon, wie weit rechts der Skate vom KSP aufgesetzt wurde,
ist diese Bewegung bis zum Kreuzen des Skates mit der KSP-Linie
ausschließlich eine Adduktion (Heranziehen) im Hüftgelenk.
Mit dem dann zunehmendem zweiten "Fall" des KSP wird diese
Adduktion jedoch von einer Streckung aller drei Beingelenke
abgelöst. Der Skate wird hierbei leicht nach vorne gestreckt.
Die Rollen laufen zunehmend auf der Außenkante. Der Skate
befindet sich nun deutlich innerhalb (links) der Körperschwerpunktlinie
zum Boden.
Wie weit der Skate nach links geht, ist abhängig von der Geschwindigkeit
und dem individuellen Fahrstil. Wie das linke Bein, so "carvt"
am Ende dieser Seitwärtsbewegung auch dieser Fuß um die Ferse
herum wieder nach innen.
Funktion:
Die aktive Oberkörperbewegung erzeugt Vortrieb, da sie die
Beinstreckung unterstützt. Das linke Bein drückt sich ab und
liefert damit Vortrieb. Beim Rückführen dient es der Balance.
Das rechte Bein liefert durch die Streckung und die Adduktion
neuen Vortrieb. Dabei sichert das Vorstrecken des Skates eine
korrekte Belastung auf die Mitte bis den hinteren Teil des
Skates. Die Carvingbewegung des rechten Beines nutzt die Seitwärtsenergie
und lenkt außerdem den Fuß wieder nach innen. Sie leitet die
Umkehr des Körperschwerpunktes ein.
Phase 3:
KSP: Der KSP wandert wieder nach links über die Stützfläche
des rechten Beines.
Linkes Bein:
Durch die Position des rechten Beines fällt das linke Bein
in seiner neutralen, senkrechten Position. Diese ist in diesem
Moment hinter dem anderen.
Rechtes Bein: Der rechte Skate "carvt" im Moment der
weitesten Auslenkung nach innen wieder nach außen. Er wird
durch eine Abduktion (hier ist die geringe Bewegung des Beines
nach Außen gemeint!) wieder in die neutrale Stellung gezogen.
Die Rollen laufen dabei von der Außenkante auf die Spitze.
Der Kniewinkel verringert sich wieder.
Funktion:
Verlängerter Abdruckweg des rechten Beines. Vorbereitung des
folgenden Abdruckes nach außen. Das rechte Bein dient zu einem
der Erzeugung von Vortrieb, und zum anderen ist seine Bewegung
eine Konterbewegung zur Bewegungsrichtungsänderung des KSP.
Der Kniewinkel verringert sich wieder, um in eine gute Ausgangsposition
für den anschließenden "klassischen" Abdruck zu kommen.
Vorteile des Double
Push
Im Gegensatz zur klassischen Technik erlaubt der Double Push
viele verschiedene Stile der einzelnen Skater. Besonders die
Amplitude des zusätzlichen Abdruckes variiert stark. Dennoch
haben alle Varianten entscheidende, gemeinsame Vorteile gegenüber
der klassischen Technik:
- verlängerter Abdruckweg : je
länger der Abdruckweg ist, desto mehr Vortrieb kann erzeugt
werden. Der Abdruckweg nach außen ist durch die vorangegangene
Bewegung nach Innen um genau diese verlängert.
- Ausnutzen des Dehnungsreflexes:
durch die Adduktion des Beines bei der Bewegung nach innen
werden die Abduktoren gedehnt. Durch die damit verbundene
Vorinnervation und den "Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus" kommt
es "zu einer schnelleren und höheren Kraftentwicklung" in
den ersten 300 ms der anschließenden Abduktion.
- Bewegungsmoment: Die klassische
Technik beginnt ihren Abdruck aus einer statischen Position
heraus. Beim Double Push ist das Bein schon in Bewegung, wenn
es die selbe Position erreicht und von dort den Abdruck nach
außen beginnt. Diese Ausnutzung des Bewegungsmomentes spart
Energie.
- Variable Technik: Ein Skater
mit der klassischen Technik kann sich nur durch Schrittfrequenz
und Körperwinkel an die äußeren Situationen anpassen. Der
Double Push bietet durch die veränderbare Amplitude der zusätzlichen
Bewegung nach innen eine dritte Möglichkeit.
- Gleichbleibende Geschwindigkeit:
Bei der klassischen Technik nimmt die Geschwindigkeit während
der Gleitphase ab, um dann wieder während des Abdruckes zuzunehmen.
Da beim Double Push die Gleitphase fast gänzlich entfällt,
ist die Geschwindigkeit fast konstant. Diese geringeren Schwankungen
in der Geschwindigkeit sparen Energie
- Dreifache Entlastung der Muskulatur:
In der klassischen Technik kann ein längerer Abdruckweg und
damit eine höhere Geschwindigkeit nur durch einen kleinen
Kniewinkel erzeugt werden. Dies behindert jedoch die Durchblutung
der Muskulatur.
Beim Double Push ist der Abdruckweg jedoch schon durch die
Bewegung nach innen verlängert , ohne daß dafür das Knie weiter
gebeugt werden muß. Zweitens ermüdet die statische Gleitphase
der klassischen Technik die Muskulatur . Diese entfällt beim
Double Push.
Zum dritten wird der Vortrieb beim Double Push auch durch
die Bewegung nach innen erzeugt. Hierbei sind Muskeln beteiligt,
die für die klassische Technik nicht gebraucht werden. Bei
gleicher Geschwindigkeit wird beim Double Push die Muskulatur
weniger beansprucht.
- Optimaler Kniewinkel: Mit der
klassischen Technik ist eine Steigerung der Geschwindigkeit
nur durch einen kleineren Kniewinkel oder Erhöhung der Schrittfrequenz
möglich.
Der Double Push bietet jedoch eine weitere Möglichkeit der
Leistungssteigerung. Der größte Vorteil besteht darin, daß
die klassische Gleitphase durch einen zweiten, aktiven Vortrieb
erzeugenden Bewegungsabschnitt ersetzt wird. Durch den möglichen,
höheren Kniewinkel beim Double-Push ist der Windwiderstand
erhöht. Da die meiste Zeit in einem Straßenrennen jedoch im
Windschatten gefahren wird, ist dieser Nachteil zu vernachlässigen.
Außerdem bleibt dabei offen, ob nicht auch der Double-Push
mit einem kleineren Kniewinkel gefahren werden kann. |
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